1909-1956 : Erste Schritte: ein Modell nimmt Gestalt an

Erste Schritte: ein Modell nimmt Gestalt an

L’Oréal d’Or

© L'Oréal Archives/Jean-Claude, All rights reserved

L’Oréal d’Or

© L'Oréal Archives/Jean-Claude, All rights reserved

Im Jahre 1909 gründet der junge Chemiker und Unternehmer Eugène Schueller das Unternehmen, das später L’Oréal heißen sollte.

Er beginnt mit Haarfärbemitteln, die er selbst entwickelt, produziert und an Pariser Friseure verkauft.

Damit begründet er das erste Glied in der Kette von L’Oréals künftiger DNA: durch Forschung und Innovation schöner machen.

Jahr

1909

  • © L'Oréal

    Eugène Schueller schließt die Eliteuniversität Ecole Nationale Supérieure de Chimie de Paris 1904 als Chemiker ab und gründet am 30.7.1909 die Société Française des Teintures Inoffensives pour Cheveux, den Vorläufer von L’Oréal. Der junge Chemiker Schueller stellt 1907 seine Fähigkeit für Innovation unter Beweis und entwickelt aus unbedenklichen Chemikalien das erste Haarfärbemittel; er nennt es Oréal. Das Färbemittel wird zum Renner: die differenzierte Farbpalette erlaubt deutlich natürlichere Resultate als die damals üblichen Färbeverfahren mit Henna oder Salzen, die leuchtende, aber etwas künstliche Ergebnisse zeigten. Am 24. März 1908 meldet Schueller das Verfahren unter der Nr. 383920 zum Patent an.

  • © L'Oréal

    Im Oktober 1909 erscheint die erste Ausgabe von La Coiffure de Paris (Pariser Frisuren) mit Beiträgen von Ärzten, Schriftstellern und Chemikern. Eugène Schueller ist einer der Redakteure und leitet das Wissenschaftsressort. Sein Artikel über das Haarefärben, in dem er einen Allergietest empfiehlt, gilt als bahnbrechend. 1912 kauft er die Zeitschrift.

1910

  • © L'Oréal

    Eugène Schueller gelingt es mit Ehrgeiz und Kämpfergeist, die Pariser Friseure davon zu überzeugen, seine Färbemittel zu verwenden. Für sein neues Unternehmen hat Schueller zahllose Ideen, und er lässt die Produkte durch Vertreter in ganz Frankreich verkaufen. In der Rue du Louvre in Paris gründet er eine Haarfärbeschule, die er selbst leitet. Dort führt ein früherer Friseur vom russischen Hof Frisuren vor. Rasch merkt Schueller, dass sein Erfolg auch vom Erfolg des Friseurs abhängt. Seine Verbindung zu dieser Berufsgruppe wird im Laufe der Zeit immer enger.

1920

  • © L'Oréal

    Nach Ende des ersten Weltkrieges bricht eine neue Zeit an. Frauen auf der ganzen Welt arbeiten, verdienen eigenes Geld, legen Wert auf ihr Äußeres und wollen ihr Alter nicht mit ersten grauen Haaren preisgeben. Die Oréal-Haarfärbemittel sind auch über Frankreich hinaus ein großer Erfolg. Italien folgt 1910, dann 1922 Österreich, die Niederlande 1913, später auch die USA, Kanada, Großbritannien und Brasilien.

1925

  • © L'Oréal Archives/ Jean-Claude, All rights reserved

    Eugène Schueller versucht sich als echter Tausendsassa auch an Zelluloid, Lacken und Kunststoffen – er gründet sogar ein Unternehmen in Russland. Seine Erfolge bestärken ihn in der Gewissheit, dass nur Forschung und Innovation Wachstum und Erfolg bringen. Er setzt die Innovation im Schönheitsbereich fort und stellt mit L’Oréal d’Or ein revolutionäres neues Produkt zum Aufhellen der Haarfarbe vor, das goldene Reflexe in das Haar zaubert und blondes Haar noch natürlicher aussehen lässt.

1928

  • © L'Oréal
    © loupot, Paris 2009

    Eugène Schueller übernimmt die 1920 gegründete Savons Français . Die Betriebsstätte in der Rue Martre in Clichy sollte später zur L’Oréal-Hauptverwaltung werden. Eugène Schueller plant die Modernisierung des Betriebs, steigert die Qualität und ändert die Werbekampagne für die berühmte Seife Monsavon.

  • © L'Oréal /Rudomine/DR

    “Mousse et lave sans eau, O’Cap pour les cheveux”: so der Slogan für die O’Cap-Schaumlotion, die eine Haarwäsche ohne Wasser verspricht. Noch werden Haare sehr selten gewaschen. Mit O'Cap, einem Produkt, dessen Name sich von der französischen Bezeichnung für "Haarwasser" ableitet (Eau Capillaire), erscheint das erste Shampoo auf dem Markt. Es spiegelt den pädagogischen Ansatz Eugène Schuellers wider: er begründet eine Kampagne, um Frankreich für Hygiene und Körperpflege zu sensibilisieren.

1929

  • © L'Oréal
    © loupot, Paris 2009

    In dem Bemühen um differenziertere, haltbarere Haarfarben arbeitet Eugène Schueller an einer organischen Tönung, die den Haarschaft durchdringen kann. Rasch eindringende Farbstoffe namens Paradiamine hatte er bereits einige Jahre zuvor zum Patent angemeldet. Das neue Produkt namens Imédia – ein Wortspiel auf "immédiat", sofort – ist ein Riesenerfolg. 1931 wieder eine Innovation, diesmal was die Verpackung anbelangt: während die Konkurrenz ihre Produkte in Großpackungen verkauft, die an der Luft rasch oxydieren, verpackt Schueller seine Imédia in kleinen, für eine Anwendung reichenden Mengen. Das ist nicht nur für den Friseur, sondern auch für die Kundin sicherer und bequemer.

  • © L'Oréal /DR

    Eugène Schueller ist rasch von der Bedeutung seines ersten Bleichmittels überzeugt und sagt: "In diesem kleinen Flakon steckt eine ganze Industrie! Eines Tages werden Millionen Brünette blond sein wollen." Das Kino gibt ihm recht. Der neue Trend kommt direkt aus Hollywood. Jean Harlow, die Titelheldin des Films "Platinum Blonde" (Vor Blondinen wird gewarnt) begründet den Trend und etabliert blond als die verführerischste Haarfarbe der damaligen Zeit. Das Bleichmittel L’Oréal Blanc ist bei Friseuren und ihren anspruchsvollen Kundinnen ein großer Erfolg. Sie gründen sogar einen "Platinum Blonde Club".

1931

  • © L'Oréal
    © loupot, Paris 200

    Eugène Schueller begnügt sich nicht damit, neue Produkte zu entwickeln. Er ersinnt auch Werbeveranstaltungen und erarbeitet neuartige Werbestrategien. 1931 verhüllt er ein Gebäude in Paris mit einer Plane, die er als Riesenwerbefläche für seine Haarlotion O’Cap nutzt. Und 1932, als Radiowerbung noch in den Kinderschuhen steckte und jede Werbung vom Blatt gelesen wurde, schaltete Schueller die erste gesungene Werbung im Rundfunk: der Jingle war geboren. Schueller glaubte daran, dass es zwei Arten von Werbung gibt: Angriffswerbung (publicité d’attaque), die Neugier wecken soll, und Ertragswerbung (publicité de rendement), die den Umsatz steigern soll.

1933

  • © L'Oréal / Arik Nepo, All rights reserved

    Eugène Schueller möchte erreichen, dass Frauen – in einer Zeit, in der Kosmetik und Schönheitspflege Frauen mehr Freiheit verschaffen – auf sich achten. Er gründet Votre Beauté, die erste monatliche Frauenzeitschrift für Gesundheit und Schönheit. Damit hat der Chemiker und Hersteller jetzt ein drittes Standbein als Verleger, Journalist und Graphiker, alles mit dem Ziel, die Erwartungen der Frauen herauszufinden und zu erfüllen. Das Ergebnis ist ein neuer Ansatz, über sein Aussehen nachzudenken.

  • © L'Oréal / Vitez Studio, All rights reserved

    Das Wort Shampoo kommt aus dem Hindi, wo "champo" massieren oder kneten bedeutet. Das Haarwaschmittel hatte seinen Siegeszug bislang nicht angetreten, zumal das Shampoo beim Friseur aus Schmierseife bestand, die in Wasser gekocht und mit Natron vermischt wurde. Das war für die Kundin wenig attraktiv. L’Oréal bescherte der Branche ein echtes seifenfreies Haarwaschmittel (ohne Fettalkoholsulfate). Es war sanft zum Haar und wurde in 1-Liter-Flaschen abgefüllt. Es hieß "Dopal" und wird heute noch, allerdings in veränderter Rezeptur, als "Dop" verkauft.